DIN EN 388

für Schutzhandschuhe gegen mechanische Risiken

Die aktuelle Version vs. eine neue EN 388

Noch ist die DIN EN 388 aus dem Jahr 2003 gültig. Im September 2014 hat der Fachausschuss PSA jedoch einen neuen Normentwurf veröffentlicht, der in der nächsten Zeit ratifiziert werden sollte. Die neue Version der EN 388 hat jedoch keine Auswirkungen auf die Praxis! Es wurden lediglich Verweise auf andere Normen auf den neusten Stand gebracht und für das Prüfverfahren „Abriebfestigkeit“ wurde das zu verwendende Abriebmittel („Schmirgelpapier“) näher erklärt.

Die EN 388 - Was beinhaltet die aktuelle Version der Norm

Die EN 388 erklärt die Testverfahren, mit denen alle Schutzhandschuhe der PSA Kategorie II und III (Schutz vor mittleren und irreversiblen / tödlichen Risiken) in Bezug auf deren mechanische Leistungsfähigkeit untereinander vergleichbar gemacht werden sollen. Bei der Wahl zwischen einem Handschuh A und einem Handschuh B soll der Anwender erkennen können, welcher der beiden Handschuhe für seinen Anwendungszweck besser geeignet ist.

PSA Kategorie II – Was soll das denn sein

Der Gesetzgeber schreibt im beruflichen Umfeld vor, bei welcher vorliegenden Gefährdung welche Art von Persönlicher Schutzausrüstung (kurz: PSA) zu tragen ist. Es gibt PSA zum Schutz vor minimalen / geringen Risiken (PSA der Kategorie I). zum Beispiel Umgang mit Spülmitteln, Gefahr von oberflächlichen nicht zu behandelnden Verletzungen oder Umgang mit heißen Stoffen unter 50 Grad. Dann gibt es auch PSA zum Schutz vor irreversiblen / tödlichen („nicht mehr rückgängig machbaren“) Gefahren. Das ist die PSA der Kategorie III. Darunter fallen alle Tätigkeiten, die mit Chemikalien, Hitze größer 100 Grad, Kälter kleiner -50 Grad und Strahlung zu tun haben. Alle Tätigkeiten, die nicht unter die PSA Kategorie I und III fallen, gehören zur PSA Kategorie II. Umgangssprachlich könnte man sagen, hierunter fallen alle die Tätigkeiten, bei denen es zu Verletzungen kommen kann, die nicht tödlich sind, die aber ärztlicher Hilfe benötigen (Schnittverletzungen, Quetschungen, Brüche, stärke Schürfungen, …). In der Praxis sind das die meisten typischen Arbeiten mit mechanischen Risiken: Montagearbeiten, Wartungsarbeiten, Produktionstätigkeiten, Sortierarbeiten, Verladetätigkeiten etc.

Was sind die Hauptbestandteile der EN 388

Bei der Beurteilung von mechanischen Schutzhandschuhen wird der Fokus auf diese vier Eigenschaften gelegt:

  1. Abriebfestigkeit
  2. Schnittfestigkeit
  3. (Weiter) Reißfestigkeit
  4. Durchstichfestigkeit

Die Norm EN 388 erklärt im Detail sowohl den Prüfaufbau für das Durchführen der Tests als auch die Bewertung der Test-Ergebnisse. Gut zu wissen: Die vier Prüfungen werden immer an Materialproben aus dem Innenhandbereich – dort womit man normalerweise zupackt – genommen.

Wie werden die Testergebnisse der EN 388 Prüfung am Handschuh kenntlich gemacht

Durch das Hammer-Piktogramm und 4 Zahlen unterhalb oder nah bei dem Piktogramm. Schauen Sie doch einfach mal auf den von Ihnen verwendeten Schutzhandschuhen nach! Die erste Zahl ist das Ergebnis der Prüfung auf Abriebfestigkeit. Die zweite Zahl das Ergebnis der Schnittfestigkeitsprüfung, die dritte Zahl steht für die erreichte Stufe bei der Weiterreißfestigkeit. Und die vierte Zahl erklärt die Durchstichfestigkeit. Bei allen Zahlen wird von sogenannten Schutzstufen (auch: Level, Klasse, Index) gesprochen. Es wird also nicht das exakte Prüfergebnis angezeigt, sondern ein Level.

Teil 1 Abriebfestigkeit

Das Prüfmuster wird von einer rotierenden Scheibe, auf der Schmirgelpapier aufgebracht ist, bearbeitet. Die Frage lautet: Wie viele Umdrehungen werden benötigt, bis das Handschuhmaterial durchgebrochen ist?

SchutzstufeAnzahl bestandener Umdrehungen
Klasse 00 bis 99
Klasse 1100 bis 499
Klasse 2500 bis 1999
Klasse 32000 bis 7999
Klasse 48000 +

Teil 2 Schnittfestigkeit

Das Prüfmuster wird mit einem vor- und zurückfahrenden und zeitgleich rotierenden Rundmesser bearbeitet. Wie lange dauert es, bis das Handschuhmaterial durchgeschnitten ist? Das Ergebnis wird zur Komplexitätsreduzierung als Faktor ausgegeben. Auch wenn dieser Wert zunächst abstrakt erscheint, kann jedoch leicht erkannt werden: Eine Schutzklasse höher bedeutet den doppelten Schnittschutz. Bei allgemeinen Tätigkeiten mit Schnittrisiko haben sich Schutzhandschuh mit der Schnittschutzstufe 3 durchgesetzt.

SchutzstufeFaktor
Klasse 00 bis 1,1
Klasse 11,2 bis 2,4
Klasse 22,5 bis 4,9
Klasse 35 bis 9,9
Klasse 410 bis 19,9
Klasse 520 +

Teil 3 Weiterreißkraft

Das Prüfmuster wird gut 1 cm eingerissen. Nur wird es in eine Zugkraftmaschine eingespannt. Wie viel Kraft ist notwendig, um den bereits angerissenen Handschuh weiter aufzureißen?

SchutzstufeBenötigte Kraft in Newton
Klasse 00 bis 9,9
Klasse 110 bis 24,9
Klasse 225 bis 49,9
Klasse 350 bis 74,9
Klasse 475 +

Teil 4 Durchstichkraft

Ein Prüfnagel (von der Größe ungefähr wie ein Zimmermannsnagel) wird auf das Prüfmuster gedrückt. Wie viel Kraft ist notwendig, bis das Handschuhmaterial durchstoßen wird? Oft wird dieser Test mit einem Nadel-Durchstichtest verwechselt. Der gemessene Wert bei diesem Test hier sagt überhaupt nichts vor der Schutzeigenschaft eines Handschuhs gegenüber Nadeln und Kanülen aus.

SchutzstufeBenötigte Kraft in Newton
Klasse 00 bis 19,9
Klasse 120 bis 59,9
Klasse 260 bis 99,9
Klasse 3100 bis 149,9
Klasse 4150 +


Weiterführende Links


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